Arbeit ist ja auch wichtig

Der November ist so gut wie gelaufen und somit steht ein kleines Jubilaeum an: Drei Jahre arbeiten in Japan.

Wenn ich auf die ersten Arbeitstage zurueckblicke stelle ich fest, dasss ich mittlerweile ein ziemlich anderes Arbeitsfeld habe, als damals angenommen.
Als simpler Geselle war ich es gewohnt unter einem Meister zu arbeiten, der mir auftraegt, was ich tun soll.
Ein simples Leben ohne allzugrosse Verantwortung.
Im ersten Jahr lief auch das Meiste nach diesem Schema ab und ich arbeitete froehlich vor mich hin.
Danach hat sich der Meister allerdings von der Firma getrennt und ich war der einzige Deutsche im Unternehmen.

Dieser Punkt war dann wohl auch gleichzeitig ein kleiner Wendepunkt in meiner "Berufskarriere".
Die gewohnten Arbeiten wurden um ein Vielfaches erweitert.
Dinge, die bis dato der Meister erledigt hat, waren nun meine Aufgabe und so kam es dann, dass ich haeufiger aus der Werkstatt raus musste um im Laden die Kunden zu beraten, in Krankenhaeuser zu gehen, oder diverse Seminare leiten bzw dabei zu assistieren.

Anfangs war das natuerlich eine sehr stressige Angelegenheit, da ich bei Vielem quasi ins kalte Wasser geworfen wurde, aber die "Friss oder stirb"-Situation holt dann doch meistens das Beste aus einem heraus.
Mittlerweile werden mir viele Auftraege anvertraut und auch ein kleiner Kreis an Stammkundschaft hat sich herausgefiltert.

Das Schoene an der Sache ist, dass es mir doch mehr Spass macht als zuerst gedacht.
Die Kommunikation mit der Kundschaft ist immer wieder interessant und bereichert auch meinen Wortschatz und das ein oder andere Lob tut natuerlich auch sehr gut.

Eine kleine Sache die mich stoert, ist dass ich gerne als Uebersetzer hergenommen werde.
Ich musste schon so einige Seminare von deutsch auf japanisch uebersetzen und das ist einfach nur Stress.
Vor allem wenn man bedenkt, dass ich (bis auf einen nutzlosen VHS-Kurs) nie wirklich japanisch "gelernt" habe.
Aber auch diese Huerden werden immer wieder einigermassen gemeistert.

Nach drei Jahren Arbeit in Japan habe ich immer noch Spass daran und bin auch immer noch der Meinung, dass es besser ist als in Deutschland.
Nichtmal die 10 Tage Urlaub, die mir im Vergleich zu Deutschland fehlen stoeren mich.
Ich hatte bisher nie das Gefuehl oder Verlangen unbedingt mal Urlaub machen zu muessen, wie ich es sehr sehr oft in Deutschland hatte.

Ich bin gespannt, wie viele weitere Jahre ich anhaengen kann.
Das kommende Jahr ist dank neuem Vertrag zumindest schonmal gesichert und mein Ansehen in der Firma scheint auch recht stabil zu sein.
In diesem Sinne... es lohnt sich an seinem Traum zu werkeln.

Kommentare

  1. Glückwunsch :) Scheinbar muss man manchmal etliche Kilometer reisen, um sein Glück zu finden.

    Was ich mich weiterhin frage: Was genau machst Du eigentlich? Ist das dann nicht eine Art Manager- oder Meister-Posten auf Umwegen? Klingt auf jeden Fall sehr interessant.

    10 Tage weniger Urlaubstage ist heftig. Aber hat Japan im Vergleich nicht mehr Feiertage?

    Haka

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    1. Ich schaetze, dass ich auch in Deutschland fuendig geworden waere, aber Japan macht das Ganze nur noch schmackhafter fuer mich.

      Theoretisch bin ich als Orpthopaedieschuhamcher angestellt und meine Hauptaufgabe ist nach wie vor das Versorgen von EInlagen-/Massschuhkunden.
      Alles darueber hinaus waere im Normalfall schon Meistersache, aber da es im Moment hier keinen gibt, wird der naechstbeste Deutsche genommen :D

      Das mit dem Urlaub faellt mir wie gesagt gar nicht so auf. Mit geschicktem Kombinieren diverser Feiertage und so kommt man eigentlich gut ueber die Runden.
      Es hoert sich auf dem Papier nur erstmal heftig an.

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