Der Mass-Schuh und anderer Modekram

Wie manche der Leser vielleicht schon wissen, bin ich Orthopaedie-Schuhamcher.
Im Alltag stelle ich Einlagen und Mass-Schuhe fuer Leute mit Fussfehlstellungen und -problemen her.
In meiner Freizeit mache ich aber auch gerne mal ein Paar eigener Schuhe.

Der groesste Unterschied ist dabei wohl, dass ich dabei nicht so sehr auf grosse und plumpe Formen zurueckgreifen muss, sondern "normal" und etwas eleganter arbeiten kann.
Ein Leisten, also das Model zu meinem Fuss, habe ich mittlerweile schon gemacht und kann darum immer direkt mit dem Designen des Schafts, das wo man den Fuss reinsteckt, anfangen.
Das Schoene an meiner Firma ist, dass sie in Asakusa liegt und daher recht nah an der Quelle fuer Leder- und Schuhhandwerk. 
Hier kann ich meistens sehr guenstig Leder erwerben und meistens sogar Reste, die gerade fuer ein oder zwei Paar Schuhe reichen.

Zugegeben, ich muss noch viel lernen, da das Herstellen eines modischen Mass-Schuhs doch eine andere Herausforderung und andere Ansprueche stellt, als ein orthopaedischer Schuh. 
Beim orthopaedischen Schuh ist zum Beispiel das Aussehen erstmal zweitrangig; die Passform und die Entlastung muss stimmen. 
Auf diese Dinge muss ich beim modischen Schuh eher weniger achten; natuerlich sollte auch hier alles bequem sein, aber beim normalen Fuss ohne Fehlstellung ist das meistens unproblematisch.

Dazu kommt noch, dass ich im Schaeftemachen noch "Anfaenger" bin und mir auch beim Handnaehen das Meiste selbst angeeignet habe. 
Sprich: ich bin weit davon entfernt einen perfekten Schuh zu kreiren. 
Meine eigenen Mass-Schuhe haben diverse Macken und Kanten wie ungerade Naehte und der gleichen.
Aber das stelle ich momentan einfach alles unter "Kuenstlerische Freiheit".

Auf jeden Fall bin ich mittlerweile nach harter Arbeit und einigen "Ueberstunden" mit dem neuesten Paar Schuhe fertig.
Diesmal simpel Schwarz mit dunkelblauen Naehten, passend zu meinem neuen Anzug.

Einen Anzug habe ich mir vor ein paar Monaten zugelegt.
Ich hatte hier und da mal eine feinere Hose, oder ein Jacket, aber das Gesamtpaket fehlte bis dato noch.
Wo sollte ich also besser an einen Anzug kommen, als in Japan, wo gefuehlt 80% der Bevoelkerung taeglich in Anzuegen durch die Gegend spaziert?
Habe natuerlich direkt etwas passendes gefunden und da ich von der Koerpergroesse auch recht gut ins japanische Bild passe, war auch hier keine grosse Herausforderung zu sehen.
Kompetente Beratung von einer Verkaeuferin, die auch sehr ueberrascht war, dass ich die knapp 400 Euro-Entscheidung direkt im Verlauf der Anprobe des ersten Anzugs gefaellt habe, hat mir einen wunderbaren Dreiteiler beschehrt.

Mit Schuh und Anzug im Gepaeck geht es dann am 13. August 2015 in Richtung Deutschland.
10 Tage werde ich in der Heimat verbringen um an der Hochzeit meiner Schwester teilzunehmen. Ein Event, bei dem ich nicht fehlen darf, obwohl ich mir das Geld fuer ein Ticket nach Deutschland eigentlich noch aufsparen wollte. 
Aber was macht man nicht alles fuer die Familie.


Wer sich den Werdegang meiner Schuhe ansehen moechte, darf das hier tun.

Kommentare